Gründer

Clemens Mulokozi

Clemens Mulokozi

Gründer und Vorstand

“Der auf eigenen Füßen steht” – Ndyetabura – diesen Vornamen hat mein tansanischer Großvater für mich ausgewählt. Im Laufe meines Lebens hat „auf eigenen Füßen stehen“ eine besondere Bedeutung für mich bekommen. Im übertragenen Sinne ist es der Leitstern meiner Initiative Jambo Bukoba – Kinder durch Sport stark machen.

Aufgewachsen in verschiedenen Welten
Ich bin in München geboren und im Alter von fünf Jahren mit meiner Schwester und meinen Eltern in die Heimat meines Vaters nach Tansania gezogen. Er war Chemieprofessor, hatte in den sechziger Jahren in München studiert und lernte so meine deutsche Mutter kennen. Bis ich zwölf war, lebte ich überwiegend in Tansania. In dem Zeitraum sind wir sieben Mal umgezogen.

70er in Tansania

Die häufigen Umzüge waren schwierig für mich, weil ich lieb gewonnene Freunde aufgeben musste. Früh war ich damit konfrontiert, dass ich mit meiner Hautfarbe sowohl in Deutschland als auch in Tansania anders war als die anderen. Gelernt habe ich daraus, mich schnell auf Neues und Unbekanntes einzustellen, Misstrauen mit großer Offenheit zu begegnen, den Austausch mit anderen Menschen zu einer stabilen Verbindung auszubauen. Und das ist auch heute eine besondere Stärke: eine Brücke zu bauen zwischen den verschiedenen Welten in Deutschland und Tansania.

Nach der Trennung meiner Eltern sind meine Mutter, meine Schwester und ich nach München zurückgekehrt. Ich war 12 Jahre alt und nahm damals bewusst wahr: meine Zukunftsaussichten alleine mit der tansanischen Schulausbildung wären sehr limitiert gewesen.

Der Tod meines Vaters und ein verschwitztes, signiertes Fußballtrikot
Im Frühjahr 2006 starb mein Vater in Tansania. Damals war ich 41 Jahre alt. In der Folge beschäftigte ich mich intensiv und mit dem Bewusstsein eines Erwachsenen mit meiner zweiten Heimat sowie meiner eigenen Kindheit. Bei der Haushaltsauflösung fand ich seine Doktorarbeit. Das erste Mal wurde mir bewusst, was er da damals eigentlich vollbracht hat, als 20-jähriger junger Mann aus einem Dorf bei Bukoba.

Wie kam es, dass er in München studieren durfte? Wie konnten meine Großeltern in Tansania sich das leisten? „Bildung“ zog sich wie ein roter Faden durch meine Recherchen über Tansania, die Kagera Region und meine Familie.

Ich erfuhr, dass es in Tansania damals nur 12 Einheimische mit einem Hochschulabschluss gab. Dass mein Vater ausgewählt wurde, in Deutschland zu studieren, um anschließend in sein Land zu zurückzukehren. Dass mein Großvater als Landwirt die Idee initiierte, Ernteerträge zu nutzen, um sie in Bildung für ihre Kinder zu investieren.

Kinder in Tansania – eine Herzensangelegenheit
Ich begann, Statistiken über HIV/ AIDS Infektionen und Waisenkinder in Tansania anders wahr zu nehmen. Ich sah Menschen, keine Zahlen. Erinnerungen kamen hoch. An Mädchen, die mit Kanistern täglich zum Wasserholen geschickt wurden, die keine Zeit hatten zu lernen. An Kinder, die heute immer noch mit Büchern aus den 50er Jahren unterrichtet wurden. Was hatte ich für ein Glück gehabt, in meinen entscheidenden Lebensjahren in Deutschland ein förderndes Umfeld für Bildung zu haben. Es war offensichtlich, dass Kinder in Tansania diese Möglichkeiten nicht hatten. Und damit auch keine Chance, ihre Zukunft später selbst erfolgreich zu meistern. Dies trifft im besonderen Sinne auf Mädchen zu.

60% derjenigen, die sich neu mit HIV/AIDS anstecken sind zwischen 15-24 Jahre alt. Die existierenden Programme und Projekte für bessere Bildung, Gesundheit und Gleichberechtigung in Tansania schienen Kinder und Jugendliche also nicht wirklich zu erreichen.

Ein verschwitztes, signiertes Fußballtrikot von Willy Sagnol brachte mich in Zugzwang. Ein guter Freund überreichte es mir freudig nach einem Champions League Match mit den Worten „Mach damit etwas für deine Leute!“ Das war zu meiner Zeit als Sportsponsoring Verantwortlicher bei der HypoVereinsbank. Ich wusste, mit einer schlauen Idee konnte ich damit wirklich etwas für Tansania bewegen.

Kinder in roten Trikots
Kinder durch Sport stark machen
Durch Vermittlung des Botschafters von Tansania hatte ich im November 2008 Gespräche mit Verantwortlichen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Familie und Sport in Bukoba. Ich besuchte eine Berufsschule, um dort mit den SchülerInnen über meine Idee zu diskutieren: Die Mädchen und Jungen, die in Bukoba am Ufer des Victoriasees Fußball spielten, teilten sich ein paar dünne Sportschuhe und trugen jeweils nur einen Schuh an dem Fuß mit dem sie schossen. Als ich sie fragte was Sport und Fußball ihnen bedeutet, erwiderten sie „Fußballspielen lenkt uns von unseren Problemen ab. Beim Fußballspielen vergisst Du, dass Du Hunger hast.“

Nach all meinen Recherchen und Gesprächen mit vielen Menschen und Experten in Tansania und Deutschland war mir spätestens jetzt klar: Ich möchte Kindern in Tansania helfen. Ihnen bessere Bildung, Gesundheit und Chancengleichheit ermöglichen und dafür Sport als Hoffnungsträger und Türöffner nutzen.

Ob Schwimmabzeichen oder Lauftraining – Sport hat mir immer Energie gespendet, mein Selbstbewusstsein gestärkt, mir gezeigt, was man alles schaffen kann. Über Arbeitskollegen habe ich später dann das Marathonlaufen für mich entdeckt. Aus den täglichen Trainingseinheiten schöpfe ich Kraft, ich bekomme den Kopf frei und lebe gesünder.

Im Dezember 2008 gründete ich zusammen mit unserem Finanzvorstand Andreas Meindl, meiner Frau und anderen lieben Menschen, Jambo Bukoba e.V.

Noch mehr Kinder sollen auf eigenen Füßen stehen!
Durch Jambo Bukoba lerne ich viele wunderbare Menschen kennen. Mit ehrenamtlicher Unterstützung, Spenden und als Botschafter machen wir nicht nur Kinder in Tansania stark, sondern auch uns selbst, als Menschen.

Jambo Bukoba Gründung

Im August 2014 bestätigte auch ASHOKA, eine weltweite Non-Profit-Organisation, die sozial engagierte Unternehmensgründungen fördert, im Rahmen einer Befragung unsere Arbeit: Anwesenheitsquoten von SchülerInnen sind gestiegen, Noten wurden besser, Kinder waren besser über HIV/Aids aufgeklärt und Mädchen agierten selbstbewusster.

Jambo Bukoba Merkel unterschreibt

Getragen von diesem schönen Ergebnis und dem wunderbaren (Team)-Spirit, habe ich mich im Oktober 2014 dazu entschlossen, mich mit 49 Jahren hauptberuflich für Jambo Bukoba einzusetzen. Der Mut wurde belohnt. Im Frühjahr 2015 hat Kanzlerin Angela Merkel Jambo Bukoba mit einem startsocial Bundespreis ausgezeichnet und fast gleichzeitig hat mich Ashoka mit einer Förderung als Social Entrepreneur ausgewählt. Nun kann ich mit meiner ganzen Lebensenergie mein Ziel verfolgen, die Kinder von Bukoba stark zu machen.

Diese Mädchen und Jungen von heute können die Leader von morgen sein, vorausgesetzt sie erhalten eine Chance auf Bildung, bessere Gesundheit und Gleichberechtigung. Helfen Sie mit!

München, am 24. August 2015
Clemens Ndyetabura Mulokozi

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