Wichtig, wichtiger, Wasser

Kennt ihr das nicht auch? Uns fällt das morgendliche Aufstehen oft schon schwer, obwohl wir warm duschen, auf die Toilette gehen, die Zähne putzen und uns einen Kaffee machen können. Für all das brauchen wir Wasser. Das geht bei uns ganz einfach: Hahn auf, Wasser raus. Eine Selbstverständlichkeit, die es nicht überall auf der Welt gibt…

Wash project

Was bedeutet WaSH?

2015 verabschiedeten 193 Länder 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung. Diese Ziele sind die United Nations Sustainable Goals (SDGs). SDG 6 soll Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten.

Dieses Ziel verfolgen wir mit unseren WaSH-Projekten. WaSH steht dabei für Wasser, Sanitär und Hygiene. Unsere Projekte umfassen unter anderem:

  • Hygiene-Workshops für Lehrer und Schüler
  • Bau von Regenwassertanks mit Handwaschanlagen für die Schüler

Die Geschichte hinter unseren WaSH-Projekten in Tansania

Wash Project kinder waschen haende

Vor ein paar Jahren beobachtete Gonzaga von unserem Jambo for Development-Team in Tansania Schüler während einer Pause:

„Ich sah ein Kind, das gerade von der Toilette kam und sich nicht die Hände gewaschen hatte. Offensichtlich hatte es an dem Tag etwas zu Essen von Zuhause mitgebracht und teilte es nun fröhlich mit seinen Freunden. Mir kam direkt der Gedanke: Das ist ja ein Freudenfest für alle Bakterien.“

Gonzaga ließ diese Szene nicht mehr los. Was, wenn die Kinder auf diese Art Krankheiten weitergaben und sich gegenseitig ansteckten? Wie konnte Jambo Bukoba da helfen?

Die Fakten hinter unseren WaSH-Projekten

Kinder holen vor der Schule Wasser

In Tansania haben noch immer 47 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu Trinkwasser. 89 Prozent der Tansanier müssen ihr Wasser von öffentlichen Wasserstellen holen und dafür kilometerweite Wege zurücklegen. Kurz gesagt: nur 11 Prozent der Menschen hat Zugang zu fließendem Wasser.

Viele Kinder – in erster Linie Mädchen – müssen vor der Schule den weiten Weg auf sich nehmen, um sauberes Wasser für ihre Familien zu besorgen. Dadurch verpassen sie oft wertvolle Unterrichtsstunden.

Auch an den Schulen sieht die hygienische Situation nicht besser aus:

38 Prozent der Schulen haben keinen Wasseranschluss und 84 Prozent keine Handwaschanlagen. Das führt dazu, dass sich Krankheiten wie Durchfall und Cholera leicht unter den Schülern verbreiten – und die Kinder dadurch in der Schule fehlen.

Laut UNICEF könnten 47% all dieser hygienebedingten Krankheiten und die daraus resultierenden Fehltage verhindert werden – und zwar durch regelmäßiges Händewaschen mit Seife.

Wie entsteht ein Wassertank?

Wassertank

Ein Wassertank fasst im Schnitt 50.000 Liter

Hände waschen funktioniert allerdings nicht, wenn es kein Wasser gibt. An den Schulen werden teils mehr als 1.000 Kinder unterrichtet – so viel Wasser kann keiner schleppen.

Deswegen braucht es Tanks, die das Wasser vor Ort an den Schulen speichern können. Diese werden aus Zement, Sand, Steinen und Metall gebaut. Sie variieren in ihrer Größe und fassen zwischen 22.000 bis 72.000 Liter. Der Durchschnitt liegt bei 50.000 Liter.

Die Gemeinde ist immer als Partner in die Projekte eingebunden. Als Mit-Eigentümer tragen sie normalerweise zum Bau der Sanitäranlagen an den Schulen bei. Auf diese Weise teilen Gemeinden, Eltern und andere Erwachsene die Verantwortung für den Erfolg der Initiativen und bekommen gleichzeitig ein Verständnis für die Wichtigkeit und korrekte Nutzung dieser Anlagen.

Wie kommt das Wasser in den Tank?

Wenn es regnet, sammelt sich das Wasser auf den Schuldächern und fließt von dort über die Regenrinnen in den Wassertank.

Wassertank
Wassertank

Über die Regenrinnen fließt das Wasser in den Tank

Nach dem Bau unserer ersten Wassertanks 2016/2017 beobachteten die Mitarbeiter unseres Teams in Tansania, dass die Kinder das Wasser nicht nur zum Hände waschen benutzen, sondern dass sie dachten, es wäre auch so sauber, dass sie es trinken könnten. Doch dafür braucht es erst einmal spezielle Filteranlagen, die in den Tanks nicht mit verbaut sind…

Wie wird aus Regenwasser Trinkwasser?

Denn das Regenwasser, das in den Wassertanks gesammelt wird, enthält kleinste Mikroorganismen, Bakterien und Viren, die Krankheiten wie Durchfall, Magenkrämpfe und Fieber verursachen können. Im weiteren Verlauf führt eine Magen-Darm-Erkrankung schnell zu Unterernährung, ernsthafter Dehydrierung und dazu, dass die Kinder die Schule verpassen.

Paul Filter

Der PAUL Membranfilter kann Partikel bis zu einer Größe von 0,04 Mikrometer aus dem Wasser herausfiltern.

Der so genannte PAUL Wasser-Filter filtert mit Hilfe einer Membran durch die das Wasser hindurch muss, Mikroorganismen, Bakterien und auch einige Viren hinaus. Da Viren sehr klein sein können, sind sie die eigentliche Herausforderung. Das Rotavirus beispielsweise bleibt in der Membran hängen, Hepatitis A dagegen ist so klein, dass es nicht herausgefiltert werden kann.

Rund 1.200 Liter können so jeden Tag in sauberes Wasser verwandelt werden. Der Filter wird zwischen einen höher gelagerten Regenwassertank und einen am Boden stehenden Trinkwassertank geschaltet, so dass das Wasser durch ihn hindurch fließen muss.

UV purifier

Eine andere Möglichkeit aus Regenwasser Trinkwasser zu machen, sind UV-Strahlen– besser gesagt UV-C-Strahlen, die z.B. auch in Laboren und Unternehmen zur Desinfektion eingesetzt werden.

Das UV-Licht reduziert Mikroorganismen, Bakterien und Viren. Wie effektiv hängt von der Einwirkungszeit des Lichts auf das Wasser, der Trübung des Wassers und der Lichtintensität ab. Das Wasser fließt dabei durch ein Rohr oder einen Behälter, wo es mit diesem speziellen Licht bestrahlt wird.

Dieses Licht gibt eine Wellenlänge mit etwa 200 – 300 Nanometern ab und greift die DNA der Krankheitserreger an. Im Gegensatz zur Filtration spielt die Erregergröße hier keine so große Rolle. Am effektivsten bekämpft das UV-Licht Bakterien, gefolgt von Mikroorganismen und Viren.

Mit Hilfe von Solarzellen wird der UV-Wasserreiniger betrieben und kann so 2.500 Liter Wasser pro Stunde reinigen.

Die Spiele von WaSH United

Doch das ist längst nicht alles: die Hardware in Form von Wassertanks und Wasserfiltern reicht nicht aus.

Wer nicht weiß, wie wichtig Händewaschen nach der Toilette ist, nutzt die Handwaschanlage auch nicht.

Dazu braucht es im Zusammenspiel die Software, um eine nachhaltige Verhaltensänderung zu ermöglichen: die Hygiene-Workshops für SchülerInnen und LehrerInnen. Insbesondere die LehrerInnen sind hier sehr wichtig – als Multiplikatoren erreicht allein einer von ihnen mehrere hundert Kinder.

Wir orientieren uns dabei an den Workshopkonzepte von WaSH United. Diese sind so konzipiert, dass sie nachhaltig wirken. Inhalte werden spielerisch vermittelt, so dass sich die Kinder besser an das Gelernte erinnern können.

knock down the germs

Das Spiel „Knock down the germs“ beispielsweise basiert auf „Dosenwerfen“. Dazu werden die Kinder in Teams aufgeteilt. Danach werden die Dosen mit den Aufschriften Cholera, Typhus und anderen Erkrankungen aufeinandergestapelt. Wer die meisten Dosen umwirft, gewinnt.

Was wir erreichen wollen

Kinder holen vor der Schule Wasser

Unser Ziel: Nie wieder Wasser holen müssen!

Eines unserer Ziele bei den WaSH-Projekten ist es den Kindern Zugang zu sauberem Wasser und Trinkwasser zu ermöglichen.

Denn das hilft dabei, Krankheiten entgegenzuwirken, die Hygienesituation und -wissen an den Grundschulen zu verbessern, Mädchen mehr Schulzeit zu ermöglichen und so die Bildungschancen der Kinder zu erhöhen.

Unsere Vision für das Jahr 2023: 50.000 Kinder haben an ihren Schulen Zugang zu sauberem Wasser!

Dabei kannst du uns mit einer Spende unterstützen! Wer mehr über unsere WaSH-Projekte erfahren möchte, findet Informationen dazu sowie die aktuellen Projekte auf unserer Website.

Geschrieben von Steffi Eisenlauer