Viki -„zuhause“ in Tansania

//Viki -„zuhause“ in Tansania

Viki -„zuhause“ in Tansania

 

Bukoba – Es gab bisher eine einzige Situation, in der Viki auf ihrer Reise nach Tansania gekniffen hat. Während die Botschafterin von „Jambo Bukoba“ bisher alles offen angegangen ist (sogar Grashüpfer, eine lokale Spezialität, probierte sie neugierig), scheute sie den steilen, felsigen, gefährlichen Abstieg einen Berghang hinunter an das Ufer des Victoriasees. Ihre Begleiterin, die 15-jährige Liberata, hüpfte hingegen problemlos hinunter. Sie bewältigt diese Strecke täglich, unter Umständen mehrfach. Würde sie das nicht, stünde ihre Familie ohne Wasser da.

Vikis größter Fan Liberata

Wenn Viki in Deutschland oder Österreich einen Fan zuhause besuchen würde, wäre die Freude groß. Man hat kaum eine Vorstellung davon, wie es für Liberata war, als die Kapitänin von Austrias Nationalelf plötzlich neben ihr auf dem Sofa in der Hütte ihrer Eltern saß. Es ist kompliziert, Liberata zu besuchen. Vom Stadtzentrum von Bukoba benötigt das Auto eine halbe Stunde, um die staubigen Sandstraßen voller Schlaglöcher zu bewältigen. Wenn Liberata in die Stadt möchte, zum Beispiel zum Training, muss sie Geld für ein Motorrad-Taxi sparen. Oder zu Fuß gehen. Für Europäer ein nahezu unvorstellbarer Aufwand. Liberata nimmt ihn auf sich. Weil sie Fußball liebt.

Viki & Liberata

Viki & Liberata

Was er sich für seine Tochter wünscht, wenn sie einmal erwachsen ist, was soll sie werden? Liberatas Papa lächelt im ebenso behaglichen wie schlichten Wohnzimmer breit. „Sie soll werden, was sie möchte, wir unterstützen sie bei allem“, sagt er, dann klopft er auf den Holzschrank neben seinem Lehnsessel, auf die Stelle, auf der jemand mit einem schwarzen Marker „Ronaldo number 7“ geschrieben hat. Man kann sich denken, wer das war. „Sie selber betet jeden Tag zu Gott, dass sie ein Fußballprofi wird.“ Der Glaube ist fest verankert in der Familie, offensichtlich: Das Wohnzimmer dominiert ein Poster vom Letzten Abendmahl.

Liberatas Weg zu Jambo Bukoba

Liberata trägt auch auf dem Fußballplatz den Schriftzug „Ronaldo 7“ auf ihrem Rücken. Die Schrift ist die gleiche wie auf dem Schrank, denn für eine echte Beflockung fehlt das Geld. Das macht aber nichts, und das Mädchen besticht ohnehin durch ihr Talent. „Sie hat alle Übungen mit am besten gemacht“, sagte Viki. Bereits früh erkannten die Eltern und Lehrer die fußballerischen Fähigkeiten in Liberata. Ihr Papa machte sie deshalb einst extra auf, um sich im Büro von „Jambo Bukoba“ über das Projekt zu informieren. Als er von Lameck und Cletus überzeugt war, dass alles seriös zugeht, stimmte er zu, dass seine Tochter zu den Einheiten kommt.

„Nie zuvor war ich in einem Haus wie dem von Liberatas Familie“, sagte Viki nach dem Besuch, „es ist unglaublich, mit wie wenig Menschen glücklich sein können.“ In dem kleinen Haus im Nirgendwo von Tansania lebt Liberata mit ihren Eltern und vier Geschwistern, ihr Bett teilt sie mit einer Schwester, das Schlafzimmer mit Mama und Papa. Die Küche ist eine kleine Kochstelle, Hühner laufen umher. Das Bad ist ein Waschtrog hinter einer Holzpalisade.
Um sich überhaupt waschen zu können, muss Liberata täglich zum See. Als sie auf ihrer Runde mit Viki mit dem gefüllten gelben Kanister zurückkehrt, strahlt sie stolz. Es ist motivierend, wenn man seinem Idol auch mal etwas voraus hat. Und so haben Viki und Liberata eines gemeinsam: Keine wird diese spezielle Begegnung jemals vergessen.

Von |2018-08-13T06:08:52+00:00Januar 1st, 2018|Botschafter|0 Kommentare

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