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#StarkeFrauenTansania

Die Bildung und insbesondere die Gleichberechtigung von Frauen sind uns bei Jambo Bukoba ein großes Anliegen. Deshalb widmen wir uns im Monat Mai auf unseren Social-Media-Kanälen der Rolle der Frauen und möchten euch in diesem Zusammenhang starke Frauen und Vorbilder aus Tansania vorstellen.

Frauen, die sich in Bereichen durchgesetzt haben, die eigentlich Männern vorbehalten sind.

Frauen, die ihr Leben den Ausgestoßenen gewidmet und dafür sogar ihre Liebe geopfert haben.

Frauen, die für die Rechte von Mädchen und Frauen kämpfen.

Starke Frauen, die Veränderungen in Tansania angestoßen haben.

Frauen, die es wert sind, ihren Namen und ihre Geschichte zu kennen.

Die Politikerin – Asha-Rose Mtengeti Migiro

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„Nirgendwo auf der Welt ist eine Frau vor Gewalt sicher. Die Stärkung des globalen Engagements gegen diesen Missbrauch ist eine Bewegung, deren Zeit gekommen ist.“

Sie ist jemand, die sich in der Politik einen Namen gemacht hat: Asha-Rose Mtengeti Migiro ist Juristin und Politikerin. Nach einem Jurastudium in Dar es Salaam promoviert sie an der Universität in Konstanz. Zurück in Tansania engagiert sie sich politisch, betreut ab dem Jahr 2000 als Ministerin die Bereiche Stadtentwicklung und Gleichberechtigung von Familien und Kindern. Im Januar 2006 wird sie die erste Außenministerin des Landes.

Nur ein Jahr später wird Asha-Rose die höchstrangige Frau der UNO als Stellvertreterin des Generalsekretärs der Vereinten Nationen – damals Ban Ki Moon. In ihren Zuständigkeitsbereich fällt vor allem die Entwicklungspolitik. Bis 2019 ist die heute knapp 65-jährige Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für den Bereich HIV/Aids in Afrika.

In all ihren Ämtern, aber auch in Anwaltsvereinen und Frauenorganisationen setzt sie sich kontinuierlich für die Verbesserung von Kinder- und Frauenrechten ein.

Die Schiedsrichterin: Jonesia Rukya Kabakama

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„Meine Großmutter unterstützte mich und sagte immer: Wenn ich damit (Anm.Red. “Schiedsrichterin zu werden”) weitermache, werde ich die negative Wahrnehmung darüber ändern können und das wird anderen Frauen helfen, ihre Chance zu bekommen, es auch einfach zu machen.“

Jonesia Rukya Kabakama, geboren in Kagera, zählt zu einer der bekanntesten afrikanischen Schiedsrichterinnen.

Jonesia spielt leidenschaftlich gerne Fußball, aber in ihrer Nachbarschaft ist Frauenfußball äußerst unpopulär. Nachdem sie keine Möglichkeit sieht, selbst zu spielen, beschließt sie 2006 Schiedsrichterin zu werden. Keine leichte Entscheidung, schließlich sind Frauen in dieser männerdominierten Sportart eine Rarität.

In ihrer Familie ist ihre Großmutter die einzige, die sie in ihrer Entscheidung unterstützt und die ihr rät, immer für das einzustehen, woran sie glaubt und dafür zu kämpfen. So macht Jonesia trotz der Widerstände in ihrem Umfeld weiter.

2006 beginnt Jonesia Spiele der unteren Liga zu leiten. Fünf Jahre später wird sie in die First Divisions League befördert und nur eine Saison später in die Premier League.

Berühmtheit erlangt sie in Tansania allerdings dadurch, dass sie schon viermal das größte, bekannteste und wohl meist diskutierteste Derby des ostafrikanischen Landes geleitet hat – das zwischen den ewigen Rivalen Young Africans und Simba, die zwei erfolgreichsten Clubs des Landes. Die beiden Vereine haben die meisten Fans. Schätzungsweise unterstützt jeder Bürger einen der beiden Clubs. Anfangs glauben viele nicht, dass eine Frau solch ein hitziges Spiel leiten könnte, aber sie bringt ihre Kritiker zum Schweigen und meistert die Aufgabe mit Bravour.

2019 entscheidet die Confederation of African Football zum ersten Mal in der Geschichte drei weibliche Schiedsrichterinnen bei einem Spitzenturnier der Männer auf dem Kontinent einzusetzen. Jonesia gehört zu den 29 Spiel-Offiziellen des Africa U-17 Cup of Nations 2019.

Neben ihrer Leidenschaft ist die 31-jährige Lehrerin und auch Unternehmerin. Dazwischen trainiert sie, um für lokale und internationale Spiele fit zu bleiben.

Das Model – Nancy Sumari

„Das Geheimnis der Veränderung ist all Ihre Energie nicht auf den Kampf gegen das Alte, sondern auf den Aufbau des Neuen zu richten.“

Sie zählt zu den schönsten Frauen der Welt: 2005 ist sie Miss Tansania und Miss World Africa. Heute ist Nancy Abraham Sumari Autorin, Geschäftsfrau und Sozialunternehmerin.

Die 34-jährige wächst zusammen mit fünf Geschwistern auf einer Farm in Mererani auf. Da sie von ihrer Familie selbst viele Chancen und Möglichkeiten bekommen hat, ihren eigenen Weg zu gehen, will sie der Gesellschaft davon etwas zurückgeben.

Mit der Gründung ihrer Stiftung Neghesti Sumari Foundation und des Jenga Hubs gibt sie Kindern aus ärmeren Verhältnissen die Chance auf digitale Bildung. In Kursen lernen sie beispielsweise das Programmieren von Software. Das Ziel: die Kinder mit Fähigkeiten und Wissen ausstatten, um sie auf die ständig wandelnde technologische Welt vorzubereiten. Um langfristig das Land zukunftsfähig zu machen und die nächste Generation auf die vierte industrielle Revolution vorzubereiten.

Mit ihren beiden bisher veröffentlichten Kinderbücher „Nyota Yako“ und „HAKI“ will sie vor allem Mädchen inspirieren, ihre Träume zu verfolgen und Kinder ermutigen, ihre Rechte zu kennen, die sie schützen.

Die Kämpferin Rebeca Gyumi

Rebecca Gyumi

“Ein Mädchen, das einen Traum hat, ist pures Feuer!“

Schon mit 13 Jahren weiß Rebeca Gyumi, welcher Weg ihrer war. Sie absolviert ein Jurastudium, um die Rechte der Frauen in Tansania zu stärken.

Hier konnten Mädchen bis 2016 schon ab 14 Jahren verheiratet werden. Rebeca fechtet vor Gericht den Marriage Act von 1971 an – mit Erfolg! Seitdem ist die Ehe rein rechtlich erst ab 18 Jahren erlaubt.

Da die Realität oft doch anders aussieht, setzt sie sich mit ihrer Organisation Mschiana Initiative weiter für die Rechte von Mädchen und Frauen ein. Zum einen will Rebeca ihnen das nötige Selbstbewusstsein vermitteln und sie inspirieren, selbst für ihre Bedürfnisse zu sprechen und diese einzufordern.

Zum anderen ist ihr die sexuelle Selbstbestimmtheit ein großes Anliegen und in diesem Zusammenhang hat sie mit uns einen Workshop entwickelt, in dem Mädchen über ihre Periode aufgeklärt werden.

Umso stolzer sind wir darauf, dass Rebeca ein Board-Member unser Partnerorganisation Jambo for Development ist!

Die Geschäftsfrau – Susan Mashibe

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Susan Mashibe, links, auf einem Event in New York.

„Als erfolgreiche Unternehmerin weiß ich, dass ich eine Verantwortung habe, diejenigen zu unterstützen, die in meine Fußstapfen treten, und der Gemeinschaft etwas zurückzugeben.“

Als ihre Eltern verreisen und sie mit vier Jahren bei ihrer Großmutter zurücklassen, weiß Susan Mashibe: sie will Pilotin werden. Dann könnte sie ihren Eltern einfach nachfliegen. Mit 19 Jahren geht ihr Traum vom Fliegen in den USA tatsächlich in Erfüllung.

Als sie in ihre Heimat Tansania zurückkehrt, ist sie die einzige Frau Tansanias, die sowohl zertifizierte Pilotin als auch Flugzeugingenieurin ist. Mit Hilfe eines Kredits gründet sie ihre eigene Firma VIA Aviation, die eine Lücke in der afrikanischen Luftfahrt nutzt – die der Privatjets.

Ihr erster KundeJacob Zuma, der spätere Präsident Südafrikas, ist mit der Qualität ihrer Dienstleistung so zufrieden, dass sie bald alle Privatflugzeuge betreut, die mit der südafrikanischen Botschaft verbunden sind.

Dank eines Hangars – eine Besonderheit in dem afrikanischen Land- ist Susan Mahibes Unternehmen das erste in Tansania und ganz Ostafrika, das logistische Unterstützung anbieten kann – einschließlich Flugzeugabfertigung, Freigaben, Sicherheit und Treibstoff.

Seit fast 18 Jahren manövriert sie die Privatjets ihrer Kunden durch den Dschungel unterschiedlicher nationaler Vorschriften und Bürokratien. Neben Privatflügen von berühmten Leuten wie Ophrah Winfrey koordiniert sie Flüge der UN Ebola Kampagne, von Firmenmanagern, Monarchen, Diplomaten, dem Militär, aber auch die Flüge von Staatsoberhäuptern, wie zum Beispiel der Air Force One der amerikanischen Präsidenten Bush und Obama.

Neben ihren beruflichen Aufgaben setzt sie sich dafür ein, dass mathematische und naturwissenschaftliche Fächer in die Bildungsprogramme aufgenommen werden – mit besonderem Augenmerk auf Mädchen in den Grund- und Sekundarschulen Tansanias.

Die Gerechte – Anna Mollel

„Es gibt nichts Wertvolleres und Reineres, als von Kindern geliebt und geschätzt zu werden.“

In Tansania ist die Vorstellung – insbesondere auf dem Land – nach wie vor verbreitet, dass ein Kind mit Behinderung als Strafe Gottes gesehen wird. Diese Kinder werden oft vor den anderen Dorfbewohnern versteckt, nicht selten misshandelt.

Anna Mollel spürt diese Kinder auf, hilft ihnen und klärt deren Familien auf. Dank ihrem Engagement werden 12.500 Kinder medizinisch behandelt und Hunderte wieder in ihre Dorfgemeinschaften integriert und gehen auf normale Schulen.

2012 bekommt sie den “World’s Children Prize for the rights of the Child”, der als alternativer Nobelpreis für Menschen gilt, die sich in besonderer Weise für die Rechte von Kindern einsetzen und von den Kindern selbst vergeben wird. Mit dem Preisgeld von 100.000 Dollar baut sie eine inklusive Schule.

Sie selbst ist eine Massai. In dieser Kultur gilt man als reich, wenn man viele Kinder hat. Ihr Vater hat neun Frauen und 45 Kinder. Ihre Mutter ist die vierte Frau und setzt gegen den Widerstand des Vaters ihre Schul- und Berufsausbildung durch. Bis heute eine Ausnahme. Eigentlich will sie ihr Vater als Zwölfjährige mit einem viel älteren Mann verheiraten. Allein ihrer Mutter verdankt sie es, dass sie ihren Traum – eine Ausbildung zur Krankenschwester – umsetzen kann.

Später vor die Wahl gestellt, sich für die Kinder oder ihre eigene Ehe zu entscheiden, entscheidet sich Anna dafür ihr Lebenswerk fortzusetzen und verlässt ihren Mann. Für sie ist Bildung der Schlüssel zur Veränderung – genau wie für uns.

Solche starken Frauen braucht ein starkes Land! Wir bei Jambo Bukoba möchten genau das: Mädchen und Frauen in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Selbstakzeptanz stärken und ihnen mit Bildung die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu geben!

Deshalb freuen wir uns, wenn du unsere aktuellen Projekte unterstützt oder dich ehrenamtlich mit deiner Zeit einbringst!

Geschrieben von: Steffi Eisenlauer

Quellen:
https://www.fonelisco-verein.de/blog/2018/12/20/tuerchen-nummer-20/
https://www.heartfulnessmagazine.com/from-mediocrity-to-greatness/
https://www.cafonline.com/news-center/news/kabakama-the-game-changer-in-tanzania-refereeing
https://daughtersofafrica.org/susan-mashibe-founder-owner-tanzanite-jet-centre-ltd-dba-via-aviation/
https://goodnews-for-you.de/anna-mollel-kindernobelpreistraegerin-bittet-um-hilfe/

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