Reisebericht August

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Reisebericht August

Liebe Mitglieder, Unterstützer und Fans von Jambo Bukoba e.V.,
etwas mehr als sechs Monate ist es jetzt her, dass ich unseren Sport- und Entwicklungsexperten Sebastian Rockenfeller in Bukoba vorgestellt habe. Bald jährt sich unsere Vereinsgründung zum zweiten Mal.

Kinder und Jugendliche in Bukoba durch Sport stark machen! Das ist unser Vereinsziel. Aber was bedeutet das konkret vor Ort? Mit dieser Frage flog ich im August 2010 nach Bukoba.
Ich war total gespannt zu erleben, wie Sebastian mit seinem tansanischen Kollegen Kepha aus dem regionalen Ministerium die Idee unseres Sport-Lehrerinnenworkshops in der Realität umsetzen. Ich wollte wissen, wie die Stimmung ist und wie die Lehrer das Konzept annehmen? Ich wollte die Diplomandin der Deutschen Sporthochschule Köln Kathrin Barth persönlich kennen lernen, die in Bukoba zum Thema HIV/Aids im Rahmen unserer Initiative forscht.

Und ich wollte, von den Verantwortlichen aus dem Ministerium KAGERA Antworten auf die Fragen zu bekommen: Wie beurteilen Sie die Arbeit der letzten vier Monate? Welche Ziele können wir uns mittelfristig gemeinsam vornehmen? Wie bringt sich die Region in unsere Arbeit ein und wie langfristig und verbindlich können wir gemeinsam planen? Aber jetzt alles der Reihe nach. Hier erstmals, wie ich den zweiten Lehrer-Workshop erlebt habe.

Anreise
An unserem zweiten Workshop konnte ich die letzten zwei Tage teilnehmen. Ich kam kurz vor dem Mittagessen nach einer fünfstündigen Fahrt in Kaisho an. Der Ort liegt im nordwestlichen Teil Tansanias, im Grenzgebiet zwischen Uganda und Ruanda. Eigentlich wollte ich ja am Vorabend sofort nach meiner Landung in Entebbe (Uganda) bereits zum Workshop fahren, aber meine Tante und Sebastian hatten mich gebeten, das aus Sicherheitsgründen nicht zu versuchen. Und ich war heilfroh, dass ich auf sie gehört hatte. Die Straßen sind teilweise extrem schlecht . Darüber hinaus ist die Sicht wegen Staub und Sand so stark eingeschränkt, dass man Gegenverkehr und Schlaglöcher kaum ausmachen kann.

Sportlehrer-Workshop
Der Workshop fand in einem Flachbau neben einem Markt statt, der direkt an der Ortsdurchfahrt gegenüber einer Schule, liegt. Ein Fußballplatz grenzt unmittelbar an. Von außen konnte ich schon hören, dass es in dem Seminarraum sehr lebendig zuging. 30 Lehrerinnen und Lehrer waren gerade dabei die tansanische Variante von „Schau nicht um der Fuchs geht um…“ zu spielen. Eigentlich wollte ich mich erst vorstellen und guten Tag sagen, aber Sebastian meinte es wäre besser wenn ich gleich mitspiele, und so fand ich mich im Nu, zur großen Freude aller, im Kreis und sagte ein Sprüchlein auf Swahili auf.
Beim anschließenden Mittagessen stellten mich Sebastian und Kepha dann den Lehrerinnen und Lehrern vor. Besonders erwähnenswert war, dass an dem Workshop auch der Sportverantwortliche des Distrikts teilnahm.
Außerdem bemerkte ich, dass alle Wände mit Flipchart Papier voll geklebt waren. Darauf Schlagwörter auf Englisch und Swahili sowie Grafiken und Symbole.
Nach dem Essen musste ein Lehrer die Aufgaben wiederholen, was die Inhalte und Übungen der ersten dreieinhalb Tagen des Workshops waren. Absolutes Highlight war ein Fußballspiel, welches am Vortag zwischen den Workshop- Lehrerinnen und Lehrern und den Jugendlichen der lokalen Schule stattfand. Da war der ganze Ort versammelt und es herrschte eine Stimmung, wie sie kaum besser bei einem Bayern-Spiel sein kann.
Sebastian, Kepha und Kathrin erklärten mir dann abwechselnd im Detail, was es mit den Flip Charts auf sich hatte und wie die Inhalte erarbeitet wurden.

Ich erinnere mich, dass ich da das erste Mal richtig beeindruckt war und ich gleichzeitig die Gewissheit verspürte, dass unsere Anliegen durch Sebastians Workshop-Konzept und die Art und Weise, wie er es pädagogisch umsetzt, bei den Lehrerinnen und Lehrern angekommen ist.

Die Atmosphäre des Workshops war konzentriert und angeregt. Alle Teilnehmer machten sich laufend Notizen. Bei den Übungen, Spielen, Frage – und Diskussionsteilen gab es immer spontane Freiwillige und Wortmeldungen.
Am Ende des Tages wurde wieder ein „Secretary“ ausgewählt, der die Workshopinhalte des Tages zusammenfassen musste. Anschließend informierten Kepha und Sebastian über das Programm des Abschlusstages.

Dieser Tag war das absolute Highlight: es ging um die Abschlussprüfungen. Treffpunkt war acht Uhr auf dem Sportplatz. Dort sollten die Lehrerinnen und Lehrer aus dem Repertoire der von Sebastian vermittelten Spiele und Übungen, jeweils ein Spiel aussuchen und darum herum eine 20-25 minütige Unterrichtseinheit gestalten. Immer zwei Lehrer arbeiteten zusammen und das Besondere war, dass der lokale Sportverantwortlichen des Distrikts dazu eigens eine Schulklasse eingeladen hatte. Die Prüfungen fanden also unter realen Bedingungen statt.
Sebastian und Kepha beobachteten ganz genau, wie die Lehrer und Lehrerinnen auf die Schüler eingingen, ihnen das Programm der Stunde erklärten, was sie zu Beginn der Stunde zum Aufwärmen und Lockermachen taten, wie sie die Übungen erklärten. Sie prüften wie die Kinder angeleitet werden und Lehrer am Ende des Spiels die Kinder ermunterten, darüber zu sprechen, wie es ihnen während der Übung ergangen ist.

Jeweils nach der Übung sollten die Lehrer erklären, warum sie sich genau diese Übung ausgesucht hatten und welche Botschaft sie damit vermitteln wollten. Anschließend gaben Kepha und Sebastian ihr Feedback ab.
Für mich wurde an diesem Vormittag deutlich, dass unser Konzept nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis rund und durchdacht ist. Ich war fasziniert zu sehen, mit welcher Motivation und Hingabe die Lehrer ihr neu erworbenes Wissen an die Kinder weitergaben und mit welchem Spaß die Schülerinnen und Schüler sich darauf einließen. Das war einer der kostbarsten Momente, aus denen ich viel Energie für mein Engagement schöpfe.

Ein Spiel, das mich wirklich beeindruckt hat, lief folgendermaßen ab: Abgeleitet von einem normalen Fangspiel bei dem es darum geht, dass man als Fänger andere abklatscht, wurde eine zusätzliche Regel und ein Ball eingeführt. Wenn man den Ball in der Hand hatte, war man vor dem Fänger geschützt. Die Mechanik ist einfach, schnell verständlich und lässt sich leicht verinnerlichen. Sebastian nutzt das Spiel, um zu vermitteln, wie man sich durch den Einsatz von Kondomen (symbolisiert durch den Ball) vor einer möglichen HIV Infektion (symbolisiert durch den Fänger) schützen kann. Spiele dieser Art meint Sebastian, wenn er über „Kicking Aids Out Games“ spricht.

Die Lehrer gingen extrem respektvoll mit den Kindern um. Eine schöne Geste blieb mir besonders in Erinnerung: Nach den Prüfungseinheiten sangen die Lehrerinnen und Lehrer für die Kinder „Asante watoto asante!“ übersetzt: „Dankeschön Kinder Dankeschön!
Am Ende waren auf dem Platz nicht nur die Schulklasse, sondern mindestens weitere 40 Kinder, die alle bei den Spielen mitmachten.

Die Abschlussprüfungen wurden übrigens auch von der Schuldirektorin der Schülerinnen und Schüler beobachtet. Alle Lehrerinnen und Lehrer erhielten anschließend in einer feierlichen Zeremonie, persönlich mit Handschlag ihr Teilnahme Zertifikat, ausgestellt vom Ministerium der Region Kagera, dem DOSB und Jambo Bukoba e. V. Die Wertschätzung für unseren Kurs und der Auszeichnung war extrem hoch. Nicht nur von den Lehrerinnen und Lehrern, sondern auch von der Schuldirektorin und den lokalen District-Verantwortlichen.

Die Teilnahme an unserem Kurs, bestätigt durch dieses Zertifikat, ist übrigens die Voraussetzung dafür, dass wir die Schule und den Lehrer persönlich mit Sportmaterial ausrüsten.

Anschließend gab es ein spätes Mittagessen, große Verabschiedungsrunden und alle machten sich auf ihren Heimweg. Manche Teilnehmer hatten an diesem Freitagnachmittag noch 8 Stunden Fahrt vor sich.
Obwohl ich nur eineinhalb Tage als Gast dabei war, war ich nach diesem Workshop platt und sehr glücklich!
Ich danke Euch, liebe Mitglieder, Unterstützer und Fans von Jambo Bukoba e.V., für Eure Unterstützung. Und hoffe dass Ihr beim Lesen dieser Zeilen ein kleinwenig gespürt habt, was da in Bukoba vor sich geht.
Was sonst noch alles passierte, folgt im nächsten Bericht.

Herzlichst grüßt Euch

Clemens Mulokozi

Von |Januar 2nd, 2010|Allgemein|0 Kommentare

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