Peris arbeitet als Regional Director for Ashoka in East Africa. Seit Clemens Ashoka Fellow ist, kann Jambo Bukoba auf dieses professionelle Netzwerk zurückgreifen. Bei unserer Tansania Reise im Februar 2016 hat Peris uns einige Tage begleitet, in diesem Zuge Ashoka vorgestellt und und unsere Arbeit, die Mitarbeiter und den Jambo Bukoba Spirit kennengelernt.
Kannst Du uns von Dir und Deiner Kindheit erzählen?
Ich bin an der Küste Kenyas in Magongo bei Mombasa aufgewachsen. Ich habe fünf Schwestern und zwei Brüdern. Meine Mutter kümmerte sich um uns, nachdem mein Vater uns verlassen hatte.
Bildung und Schule hatten bei uns keinen großen Stellenwert, insbesondere nicht für Mädchen. Viele meiner Freundinnen wurden schwanger, hatten Drogenprobleme oder heirateten sofort nach der Grundschule. Meine Mutter hatte zu kämpfen, uns allen die Schulzeit zu finanzieren. Doch als ich als erstes Mädchen aus meiner kleinen Schule in der besten Highschool in Mombasa angenommen wurde, versprach sie, alles dafür zu tun, mir das zu ermöglichen. Sie ist meine Heldin!

Was waren die größten Herausforderungen Deiner Schulzeit?

Ich war Klassenbeste während meiner ganzen Grundschulzeit, in einer Kultur, in der eigentlich Jungen die Besten sind. Als mein Klassenlehrer in der siebten Klasse dies bemerkte, veränderte sie meine Noten so, dass mich der Zweitbeste überholen konnte – natürlich ein Junge. Einige Lehrer, meine Mutter, Nachbarn und andere Schüler haben mir allerdings viel Vertrauen gegeben und mich unterstützt weiterzumachen, hart zu arbeiten und so zu beweisen, dass dieser Lehrer Unrecht hatte. Ich glaube, dass im Leben nichts einfach so passiert. Wenn Dir Dinge widerfahren, die Dich entmutigen, solltest Du Dich darauf fokussieren, was Du im Leben erreichen möchtest – das habe ich gemacht!

Du hast jetzt die Schwierigkeiten in tansanischen Schulen gesehen. Hattest Du mit ähnlichen Herausforderungen während Deiner Ausbildung zu kämpfen?

Die tansanische Situation unterscheidet sich nicht sehr von der an der Küste Kenyas. Daher würde ich sagen ja. Was jeder braucht, ist eine Person, die an Dich glaubt und das Beste für Dich möchte. Meine Mutter hat sich für mich bei Banken verschuldet und hat Mahamri verkauft, eine Delikatesse an der Küste. Für ein Mädchen in Tansania kann solch ein Vertrauen einiges verändern.

Erzähle uns doch von Deinem Studium: Was hast Du studiert und wie konntest Du es finanzieren?

Ich habe zunächst verschiedene Kurse belegt: Public Relations, (elektronische) Buchhaltung, Personalmanagement. Viele meiner Freunde verstanden nicht, warum ich das bisschen Geld was ich hatte für Bildung “verschwendete”. 2005 habe ich dann in Nairobi mein Psychologiestudium begonnen. Meinen Master habe ich in forensischer Psychologie und Kriminologie durch ein Fernstudium abschließen können. Es war schwer sich ganz alleine durchzuschlagen, aber durch Stipendien, Kontakte und die Unterstützung toller Menschen war dies möglich. Ich denke, dass diese frühe finanzielle Disziplin mir geholfen hat, meine Ziele zu erreichen und auch wieder Neue und Höhere zu stecken! Ich habe gerade meine Masterthesis abgeben und warte auf meine Ergebnisse.

Peris, wo arbeitest Du heute?

2012 habe ich bei Ashoka angefangen, ein Programm aufzubauen, das junge Menschen unterstützt ihre Geschäftsidee erfolgreich zu etablieren. Heute arbeite ich für Ashoka als Regionalleiterin in Ostafrika. Man kann also sagen, ich arbeite als eine Art Sozialarbeiterin.
Wie bist Du zu Ashoka gekommen?
Ich habe von Ashokas Ideenwettbewerb zur Gesundheitsförderung von Müttern gehört. Ich habe mich mit meiner Idee beworben und habe die Chance bekommen für 9 Monate mit einem Ashoka Fellow aus Nigeria zu arbeiten. Nach dieser Zeit beschloss ich meinen Job zu kündigen und kurze Zeit später mit viel Unterstützung meiner Freunde war meine Organisation Asilia Africa geboren. Bei einem Meeting mit einem Unterstützer von Ashoka, erzählte er mir von einem neuen Programm für Jungunternehmer. Hierfür suchten sie noch Leute, also habe ich mich beworben – und bekam den Job. Eigentlich wollte ich nur beim Aufbau des Programms helfen und mich dann wieder meiner eigenen Arbeit widmen. Aber wie es so läuft, bin ich dort geblieben, habe später eine neue Initiative „Changemaker Schools“ mit aufgebaut und heute arbeite ich eben als Regionalleiterin
Peris, was magst Du am meisten an Deiner Arbeit?
Teil eines „verrückten“, bahnbrechendenden, ambitionierten, globalen Teams zu sein! Ich liebe es inspirierende Leute zu treffen, die wirklich etwas verändern und bewegen wollen, auch die Ungewissheit, Veränderungen, Vielseitigkeit und immer neuen Herausforderungen gegenüberzustehen, eine Richtung vorzugeben und andere dazu zu bringen, in diese zu vertrauen und ein Teil der Vision zu sein! Du kannst gar keinen langweiligen Tag haben oder vorher sagen, wie Dein Tag heute aussehen wird. Und das Reisen ist eines meiner größten Hobbies!

Bezüglich Deines Jobs, was waren Deine Erfahrungen mit Männern?

Ich denke, Menschen behandeln Dich so, wie Du Dich von Ihnen behandeln lässt! Meine Position hat einige Männer sicherlich ein bisschen abgeschreckt und sie waren sich unsicher, wie sie mit mir umgehen sollen. Die Jahre als Trainerin in sexueller und reproduktiver Gesundheit sowie mein Psychologiestudium haben mir sicher geholfen, Dinge zu sehen bevor sie zum Problem werden. Wie auch immer, ich habe auch Männer getroffen, die mich sehr unterstützten: Mein Mentor Juma Mwatsefu, mein ehemaliger Chef und meine Brüder. Mein momentaner Betreuer unterstützt und vertraut in meine Entscheidungen, die ich für die Organisation treffe. Alle diese Erfahrungen haben mich in verschiedener Weise zu der Frau gemacht, die ich heute bin.
Ach, und mein Freundeskreis besteht hauptsächlich aus Männern.

Was wünschst Du für die Kinder in Tansania und Kenya?

Ich wünsche allen, dass sie mindestens eine Person finden, die an sie glaubt und vertraut, dass sie die Möglichkeiten bekommen sich auszuprobieren und unterschiedliche Erfahrungen zu machen, um zu der Person zu werden, die sie sein wollen, aber am wichtigsten um eine Bereicherung für die Gesellschaft zu werden.
An welchen Themen sollte man Deiner Meinung nach in Tansania besonders arbeiten?
Am Zugang zu Bildung und zwar hinsichtlich Qualität, Bezahlbarkeit und Bedeutung. Ich denke, das ist es, was Tansania braucht: Die Türen für zukünftige Generation zu öffnen, um als empathische Problemlöser heranzuwachsen!

Wenn Du zurück an die Zeit mit Jambo Bukoba in Tansania denkst, was hat Dir am besten gefallen?

Die Evaluation bzw. Feedback-Runde mit den Lehrern. Es war toll ihre Visionen, Hoffnungen, Bestrebungen, Erfolge, Herausforderungen und Motivationen für die Kinder in Tansania zu hören.
Peris, was denkst Du über Jambo Bukoba? Wird es etwas verändern?
Ja, wird es! Den Lehrern nach, hat es jetzt schon Veränderungen gegeben. Aber es muss institutionalisiert werden, damit alle Kinder die Jambo Bukoba Spiele lernen, egal ob ihre Lehrer an einem Workshop von Jambo Bukoba teilgenommen haben oder nicht.