Was bleibt nach dem Spaß und den Spielen? Teil 1

Ganz im Sinne der guten Neujahrsvorsätze und mit Blick auf das kommende Jahr möchten wir gezielt und vermehrt die Wirkung unserer Projekte betrachten. Bisher haben wir dies auf quantitativer Ebene mithilfe von Zahlen und Fakten gemacht. Nun möchten wir uns der qualitativen Ebene widmen. Mit konkretem Feedback von den Kindern und Jugendlichen wollen wir unseren pädagogischen Ansatz weiter verbessern. Schon seit 12 Jahren setzen wir uns für Kinder und Jugendliche in Tansania ein. 516.413 Kinder, die an Life Skills Spielen teilnahmen, 55 durchgeführte Bonanzas sowie 63 abgeschlossene Schulbauprojekte. Wir sind sehr stolz darauf, dies von 2008 bis 2020 erreicht zu haben. Quantität ist wichtig, aber ausschlaggebend ist die Qualität.

Was bleibt nun bei den Kindern und Jugendlichen nach den Spielen tatsächlich hängen? Wie verläuft das weitere Leben?

Dem wollen wir nachgehen. Einen Anfang bilden die qualitativen Interviews, die von unserem tansanischen Kollegen Kafedha von Jambo for Development diesen Sommer mit mehreren ehemaligen Teilnehmern und Teilnehmerinnen durchgeführt wurden. Ziel war es ein Gefühl dafür zu bekommen, was diese Spiele und die Workshops bei den jungen Menschen bewirkt haben. Da die Auswertung der Interviews viele spannende Ergebnisse zu Tage brachten, werden wir diese in einer mehrteiligen Serie nach und nach veröffentlichen.

Wahrnehmung von Jambo Bukoba

Insgesamt wurden 11 Jungen und Mädchen interviewt. Neun davon haben die Life Skills Games gespielt. Diejenigen, die an den Spielen teilnahmen, fanden die Spiele leicht zu erlernen und zu spielen. Lehrer nutzen die Spiele als Eisbrecher und um die Stimmung aufzulockern. Alle sehen Jambo Bukoba als eine Organisation, die sich für Sport und Spiele an Grundschulen engagiert. Ein Teilnehmer äußerte, dass Jambo Bukoba überall in Kagera bekannt ist. Sogar kleine Kinder kennen JB, da ihnen das Lied der Organisation geläufig ist. Es wird regelmäßig in lokalen Radios gespielt. Hier könnt auch ihr es euch anhören. Abgesehen von Spielen und Sport erwähnten die Teilnehmer*innen Wassertanks, Klassenzimmer und Toiletten als JB-Merkmale.

“Life Skills Games” ist ein beliebtes Wahlpflichtfach

Alle neun Teilnehmer*innen spielten die Life Skills Games freiwillig. Erwähnenswert ist jedoch, dass alle Schulen sogenannte Wahlpflichtfächer haben. Eines dieser Fächer sind die Life Skills Games. Vorzugsweise wählen die Kinder Fächer mit sportlichen und spielerischen Aktivitäten, da sie hierfür draußen sein können. „Viele Kinder mögen es zu spielen. Deswegen nahm ich auch am Jambo Bukoba Games Club teil und spielte dort die Spiele“, sagte Aneth Marton aus Ngara, eine ehemalige Schülerin der Kamuyungu Grundschule.

Die beliebtesten Spiele

Die Teilnehmer*innen konnten sich nicht an die genauen Namen der Spiele erinnern, diese jedoch beschreiben. Ihren Beschreibungen zufolge sind ihnen besonders folgende Spiele im Gedächtnis hängengeblieben: Ten Passes, Robot, Stick Relay, Football (mit der ausschlaggebenden Regel, dass Mädchen das Tor schießen müssen), Suck Race, Tug of War und Lake Shore.

Geschlechterrollen in Tansania

Tansania ist geprägt durch eine Kultur strenger und traditioneller Geschlechterrollen. Mädchen werden dadurch oft benachteiligt. Ein natürlicher Umgang zwischen beiden Geschlechtern auf Augenhöhe wird kaum bis gar nicht gefördert. Aus diesem Grund haben viele Spiele zum Ziel, die Gleichberechtigung zwischen Jungen und Mädchen hervorzuheben. Besonders die Mädchen sollen in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden. Jungen hingegen sollen eine neue Sichtweise auf das andere Geschlecht bekommen. Auch wenn der spielerische Ansatz hilft, leicht ist es nicht diese Werte zu vermitteln.

Die Hand des anderen Geschlechts zu halten, kostet Überwindung

Mädchen und Jungen berichteten gleichermaßen, dass es ihnen unangenehm war, die Hand des anderen Geschlechts zu halten. Dieser Akt wird in der Gesellschaft als ein Zeichen für eine romantische Beziehung angesehen. Die Kinder möchten jedoch nicht, dass sie durch die Handlung solche Assoziationen bei den anderen wecken. Dies dann doch zu tun, erforderte von allen Überwindung. Mit der Zeit lernten die Kinder, dass Mädchen und Jungen zusammenarbeiten können und der Austausch etwas ganz Natürliches ist. Der freiere Umgang mit dem anderen Geschlecht, der durch bloße Wiederholung der Spiele verinnerlicht wurde, zeigte sich auch in anderen Lebenssituationen. Bei Diskussionen und Projekten interagierten sie seitdem ungezwungener miteinander.

Fortsetzung folgt…

An dieser Stelle endet der erste Teil und wir hoffen ihr bleibt uns treu. In einer Woche veröffentlichen wir den nächsten Teil mit weiteren Erkenntnissen. Diesmal wird das Verhalten der Lehrer beleuchtet. Diese werden nämlich zunächst von uns geschult, um die Spiele den Kindern zeigen zu können. Kafedha wollte von den Jugendlichen wissen, ob die Life Skills Games auch bei den Lehrer*innen und ihrer Art zu unterrichten etwas bewirkt haben. Seid gespannt und schaut bei Facebook rein. Wir freuen uns auf Feedback und Anregungen.

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