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Menstruation und Chancengleichheit

Was hat die Periode eigentlich mit Freiheit, Gleichberechtigung und Chancengleichheit zu tun? Auf den ersten Blick mag es keine Verbindung zwischen diesem ganz normalen biologischen Vorgang und den vorgestellten Konzepten geben. Das komplette Gegenteil ist jedoch der Fall. Die Periode ist typisch weiblich und wird immer noch wie viele andere Themen in Bezug auf Weiblichkeit und Frausein tabuisiert und als etwas Schamhaftes dargestellt. Die Welt wurde sehr lange Zeit nur aus der Perspektive des weißen dominanten Mannes betrachtet und gestaltet. Somit wurden nur für diese Gruppe Bedingungen und Voraussetzungen geschaffen, um ein glückliches und selbstbestimmtes Leben führen zu können. Seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts kämpfen Frauen jedoch immer mehr dafür, sich Gehör zu verschaffen.

Auch in Tanzania, dem Land, wo wir tätig sind, herrschten lange Zeit sehr patriarchische Strukturen. Diese wurden zwar zu einem gewissen Teil aufgelöst, doch Frauen und Mädchen sind hier immer noch großen Ungerechtigkeiten ausgesetzt. Am 28.05. ist jedes Jahr der World Menstrual Hygiene Day und aus diesem Grund möchten wir auf dieses Thema aufmerksam machen. Mädchen dürfen in Tansania zwar zur Schule gehen, jedoch sind die baulichen Rahmenbedingungen vor allem zum Nachteil der Mädchen.

In der Konzeption der Schulen wurde nicht bedacht, dass Mädchen monatlich Räumlichkeiten brauchen, um sich um ihre Periode zu kümmern. Dies wird Menstruationshygiene genannt. Das scheint sehr banal zu sein, denn wofür hat man denn Toiletten? Genügend Toiletten sind jedoch oft auch nicht vorhanden. Folglich bleiben viele Mädchen dem Unterricht fern und ziehen sich eher zurück. Zusätzlich wird die Periode immer noch in weiten Teilen der Gesellschaft als etwas Schmutziges und Unreines angesehen. Das Stigma und die Scham rund um das Thema sitzen tief. Dies hat nicht nur das Fernbleiben des Unterrichts zur Folge, sondern auch ein nur sehr schwach ausgebildetes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Monatlich das Gefühl zu bekommen, dass man nicht richtig und eklig ist, hinterlässt Spuren. Spuren, die dazu führen, dass Mädchen sich nicht trauen für ihre Wünsche und Bedürfnisse einzustehen. Spuren, die sie daran hindern mutig und begeistert Herausforderungen anzugehen. Es fällt ihnen zudem schwerer mit Hindernissen und Fehlschlägen, welche im Leben ganz normal sind, umzugehen. Immer wieder gesagt oder gezeigt zu bekommen, dass sie weniger wert sind als Jungen, führt dazu, dass andere Botschaften ebenfalls kontinuierlich und regelmäßig mitschwingen: Mädchen sind weniger klug, fähig und nur für niedere Arbeiten gemacht.

Die gesellschaftliche Tabuisierung der Menstruation trägt zu der Entstehung dieses geringen Selbstwertgefühls einen nicht unwesentlichen Teil bei. Es ist fast unmöglich ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen, wenn ganz natürliche Prozesse des Körpers ein unwohles Gefühl hervorrufen. Deswegen ist uns die Arbeit bei Jambo Bukoba bezüglich eines offenen und aufklärenden Umgangs mit der Periode so wichtig. Dafür bauen wir die MHM (Menstrual Hygiene Management) Räume, in denen Mädchen ungestört Binden wechseln und sich um ihre Periode kümmern können. Aus diesem Grund sind uns auch entsprechende Workshops wichtig, welche die Mädchen darüber aufklären, wie ihr Körper funktioniert, warum er das so tut und dass dies genauso richtig, natürlich, ein Wunder des Lebens und kein Bisschen eklig ist. Über die Periode aufzuklären, heißt somit auch den Mädchen mehr Selbstbewusstsein zu geben, was sie wiederum befähigt, sich eigene Ziele für ihr Leben zu setzen und das zu verfolgen, was sie glücklich macht.

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