Jambo Sanaa (übersetzt: Hallo Kunst) – Wie sich das Kunstprojekt von Jambo Bukoba von 2013 bis heute entwickelt hat

Begonnen hat das Projekt im Sommer 2013, als ich, Alexandra Dreier, die erste Ausstellung mit meinen eigenen Kunstwerken zum Thema „The Female Figure“ organisiert habe. Niklas van der Beek, hat parallel zur Ausstellung in Deutschland, Kunstworkshops mit der Mädchengruppe von Abella durchgeführt.

Zusammen mit meinen Werken habe ich, die in Tansania entstandenen Werke dann im Vital-Center Karlsfeld ausgestellt. Es war super spannend zu sehen, wie die Mädchen sich die Rolle der Frau in Deutschland vorgestellt haben. Beispielsweise sitzt die Frau im Garten vor Gemüsebeeten und arbeitet am Computer. Im Kontrast dazu die Rolle der Frau in Tansania: kochende Mama, Mama mit Kind auf dem Rücken.

Für die Mädchen war das Projekt eine tolle Gelegenheit sich mit diesem Thema detailliert zu befassen. Während der Ausstellung hatten die Besucher die Möglichkeit sich bei einem Glas Sekt über die verschiedenen Aspekte, die für„die Rolle der Frau“ in unterschiedlichen Gesellschaften von Bedeutung sind, auszutauschen.

Fortsetzung des Kunstprojekts

Und so habe ich zusammen mit Abella und Imani beschlossen, dass wir dieses Kunstprojekt gerne weiterführen möchten.

Dafür habe ich auf betterplace.org ein Hilfsprojekt gestartet. Zudem habe ich Geburtstage genutzt, um Geld zu sammeln. Bin den Münchner Halbmarathon gelaufen und habe ein Benefizkonzert mit den Jungen Münchner Symphoniker organisiert.

Am Ende kam genug Geld zusammen. Damit konnte ich in Dar Es Salaam super Material bestellen. Pinsel, Leinwände, Farben etc. wurden dann nach Bukoba geliefert.

Jambo Sanaa in Tansania

Am 18. August ging’s dann für mich los nach Bukoba in das Dorf Kayanga. Dort habe ich zwei Wochen lang mit einer „Mädchen-AG“ Kunstworkshops durchgeführt. Diese Mädchengruppe wird von der Lehrerin Abella geleitet und trifft sich zwei mal die Woche. Hier sprechen sie über Themen die junge Mädchen betreffen. Es geht beispielsweise um die Vermeidung von Teenager-Schwangerschaften und wie sich die Mädchen vor HIV-Übertragungen schützen können. Oder wie in unserem Kunstworkshop um ihre Zukunftsträume.

Bei den Workshops liegt weniger im Fokus, dass die Kinder danach tolle Zeichner sind. Vielmehr dass ihnen ein weiterer Kanal geboten wird sich mit verschiedenartigen Themen zu beschäftigen.

Start

Wir haben mit Einzelprojekten auf Leinwand angefangen, bei denen die Kinder ihren Zukunftstraum malen durften. Ich habe ihnen erklärt, dass sie zuerst die Leinwand grundieren sollen und nichts Weißes von der Leinwand zu sehen sein soll. Und dann ist etwas Lustiges passiert: Eines der Mädchen hat ihr Bild gelb grundiert, was Abella sehr gut gefallen hat. Also sagt Abella zu allen Schülerinnen:

„Schaut mal, sie hat das echt super gemacht! Das haben die Kinder dann aber so verstanden: „Schaut mal, das ist super, so sollt ihr das alle machen!“ Und schon fingen fast alle an ihre Bilder gelb zu übermalen. Daraus habe ich gelernt, dass es sehr wichtig ist, das künstlerische Schaffen von Kindern nie sofort zu beurteilen. Denn die Kinder sollen nicht das Gefühl haben, dass eine bestimmte Farbe oder Art zu malen besser als eine andere ist. Stattdessen sollen sie sich frei ausdrücken und kreativ sein.

Zweiter Teil

Der zweite Teil der Workshops waren dann Gruppenprojekte auf Murumba (Baumrinde). Nachdem die Mädchen skizziert hatten, welchen Beruf sie gerne in der Zukunft ausüben würden, haben sich Kinder mit ähnlichen Interessen in Gruppen zusammengefunden. Dadurch sind viele verschiede Gruppen entstanden, beispielsweise die Lehrer-, Doktor- oder Künstlergruppe.

Dieses Projekt übertraf unerwarteterweise die Einzelarbeiten. Ursprünglich dachte ich mir, dass die Kinder bevorzugt auf Leinwänden malen. Denn bei den letzten Workshops erwähnten sie, dass sie die Materialien, die ihnen nicht geläufig sind, interessant finden. Es hat sich jedoch überraschend herausgestellt, dass ihnen das Malen auf Murumba mehr Spaß macht. Vielleicht weil jede in der Gruppe ihren Platz fand? Oder weil sie es nicht gewohnt sind auf Leinwand zu malen?

All diese Erkenntnisse habe ich aus Tansania mitgenommen und werde sie in Zukunft nutzen, um das Projekt „Jambo Sanaa“ weiterzuführen.

Im Moment ist Abella dabei „Professionals“ in die Kayanga Primary School einzuladen um das Zukunftsträume-Projekt fortzuführen. Die Berufstätige arbeiten in genau den Berufsfeldern für die die Mädchen sich interessieren. Wir haben am Ende des diesjährigen Workshops kleine Interviews mit den Gruppen geführt. In diesen wurde deutlich, dass die Kinder noch keine wirklich Vorstellung davor haben, was es bedeutet „Wissenschaftler“ oder „Sänger“ zu sein.

Blick in die Zukunft

Zudem möchte ich die Gruppen-Kunstwerke gerne in Deutschland ausstellen. Hierfür bin ich auf der Suche nach geeigneten Ausstellungsorten, am liebsten im öffentlichen Raum, damit das Projekt für größere Massen zugänglich wird. Eine kleine Ausstellung fand es schon am 25. September im „Bahnwärter Thiel“ in München statt.

Als drittes Element suche ich, um das Projekt Jambo Sanaa fortführen zu können, eine Förderung für die Kunstworkshops in Tansania. Ich möchte dafür auch ein „Teaching Aid“ erstellen, damit die Lehrer vor Ort selbstständig Kunstworkshops durchführen oder verschiedene Elemente in den Kunstunterricht einbauen können.

Falls ihr noch mehr über meine Zeit in Tansania und die Kunstworkshops erfahren wollt, könnt ihr gerne meinen eigenen Blog lesen.

Außerdem werde ich beim nächsten Jambo Bukoba Monatstrefffen am 11.10. über das Projekt berichten. Also kommt um 18.30 Uhr ins Jambo Bukoba Büro in der Seidlstraße 26!

Wie könnt ihr dieses Projekt unterstützen? Folgt doch Jambo Sanaa auf Instagram und Facebook oder spendet auf Betterplace.org!

Presse:
Süddeutsche Zeitung, 1 Januar 2016, „Zukunftsträume ausleben“
Wochenanzeiger München, 24 April 2016, Eine Kunst hilft der anderen