Seit Beginn der Geschichtsaufzeichnungen ist Cholera bekannt. Der Name stammt aus dem Griechischen chole „Galle“ und rhein „fließen“, was allgemein als „Erbrechen von Körpersäften“ übersetzt werden kann. Als Ursprungsort gilt das Ganges-Delta. Ab dem 19. Jahrhundert verbreitete sich die Cholera weltweit in mehreren Pandemien. Eine Pandemie beschreibt die Verbreitung einer Krankheit im selben Zeitraum, jedoch an verschiedenen Orten.

Heutzutage taucht Cholera in Deutschland normalerweise nicht mehr auf. In vielen afrikanischen und asiatischen Ländern ist die Infektionskrankheit aber aufgrund der schlechten Trinkwasserversorgung und unzureichenden hygienischen Bedingungen nach wie vor präsent. Auch Tansania – insbesondere die Region Kigoma – ist von Cholera betroffen.

Diese schwere Infektions- und Quarantänekrankheit, die mit massiven Durchfällen einhergeht wird durch das Bakterium „Vibrio Cholerae“ hervorgerufen. Die Krankheit breitet sich vor allem in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte und schlechten Hygieneverhältnissen aus, zum Beispiel in Slums und Flüchtlingslagern. Aus diesem Grund spricht man auch von Cholera als die „Krankheit der Armen“. Denn besonders unterernährte, geschwächte, an einer anderen Grunderkrankung leidende Menschen sind gefährdet. Weitere Risikogruppen sind kleine Kinder sowie alte Menschen.

 

Grafik CholeraRund 1,4 bis 4,3 Mio. weltweite Krankheitsvorfälle werden jährlich gemessen, 28.000 bis 142.000 sterben daran. Unbehandelt verläuft die Krankheit tödlich. Sie breitet sich sehr schnell aus, sobald sich die ersten angesteckt haben.

Über den Mund gelangen die Bakterien in den Magendarm-Trakt. Überleben sie dort die Magensäure, vermehren sie sich im Dünndarm und heften sich an die Schleimhäute, wo sie das sogenannte Cholera-Toxin bilden.

Verunreinigtes Trinkwasser, kontaminierte Meeresfrüchte, fäkal-orale Ansteckung von Mensch zu Mensch, zum Beispiel durch mangelnde Händehygiene zählen zu den größten Risikofaktoren. Behandelt wird Cholera symptomatisch (mit Hilfe hoher Flüssigkeitszufuhr und Ausgleichen des Salzverlustes im Körper) und präventiv (mit einer Schluckimpfung).

 

Zu den typischen Symptomen zählen:

  • Zu Beginn: wässriger Durchfall, Erbrechen von wässrigem Mageninhalt, Blut und Gallenflüssigkeit, Bauchschmerzen
  • Der Wasser- und Salzverlust führt zu: „Vox Cholerica“ (hohe, heisere Stimme), Muskelkrämpfen, eingefallenem Gesicht, eingesunkenen Augen, eingesunkenem Bauch, schwachen Puls an den Extremitäten, niedriger Blutdruck, Tachykardie, ohne Flüssigkeitszufuhr kalte Arme und Beine.

2015 ist Cholera in Tansania gleich in mehreren Regionen ausgebrochen. Zuerst wurden Fälle in der Region Mara bekannt. Im Juli letzten Jahres infizierten sich über 3.000 Flüchtlinge aus Burundi in der tansanischen Grenzregion Kigoma am Ostufer des Tangajikasees. Einen Monat später trat die Krankheit in den Regionen Dar es Salaam, Pwani, Iringa und Morogoro auf.

Aktuell sind 21 Regionen (von 30 insgesamt) in Tansania betroffen. Mehr als 12.800 Menschen haben sich infiziert und über 200 von ihnen starben an der Krankheit. Täglich werden es mehr. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verteilte 2015 164.500 Einheiten der Schluckimpfung in der Region Kigoma. Eine flächendeckende Impfung aller Bürger könnte die Ausbreitung von Cholera eindämmen, wird jedoch durch eine weltweite Knappheit des Impfstoffes verhindert. Das bedeutet, dass lediglich Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko die Impfung erhalten.

 

Chlolera Bekämpfung:

Um Cholera langfristig und nachhaltig zu bekämpfen, muss der Zugang zu sauberem Trinkwasser sowie eine adäquate Abwasserentsorgung gewährleistet werden. Dieses Ziel wurde 2015 in einem Langzeitplan der tansanischen Regierung für die Prävention und Kontrolle von Cholera festgelegt.

Viele Maßnahmen, wie zum Beispiel der Bau von Wasserleitungen oder Wasseraufbereitungsanlagen, werden wegen der hohen Investitions- und Wartungskosten jedoch nicht oder nur sehr schleppend in Angriff genommen, obwohl diese auch in Entwicklungsländern notwendig sind. Lösungsansätze auf Haushaltsebene sind die Anschaffung von Wasserfiltern, sichere Lagerbehälter für Wasser und solare oder chemische Wasserdesinfektion.

Mindestens genauso wichtig ist die Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung. Gesundheitsbildungskampagnen tragen zu einem größeren Verständnis bei. Schon einfache Verhaltensänderungen, wie beispielsweise das Benutzen von Seife beim Händewaschen oder das Stillen von Babys kann vor Cholerainfektionen schützen. Während einer Epidemie können Kampagnen über moderne Kommunikationskanäle wie Social Media und Mobiltelefone Menschen mit Symptomen dazu ermutigen, sich sofort behandeln zu lassen.

 

Das Konzept von Jamba Bukoba setzt genau hier an:

Die speziell entwickelten Spiele für den Sportunterricht dienen Lehrern als Türöffner, um sich die Aufmerksamkeit der Kinder zu sichern. Lehrer bringen den Schülern spielerisch Wissen über das Thema Gesundheit und Hygiene bei. In den vorhergehenden Workshops werden Lehrer umfassend geschult. Ein fester Bestandteil ist die Anwesenheit von medizinischem Fachpersonal, die ihre Expertise gezielt dazu einsetzen, über aktuelle gesundheitsrelevante Themen aufzuklären, um beispielsweise die Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Cholera zu verhindern.

Nachdem im letzten Jahr das Thema Ebola im Fokus stand, ist die Aufklärung über Cholera in diesem Jahr besonders wichtig in Tansania. In diesem Zuge soll in 2016 noch das Pilotprojekt WASH im Gebiet Kagera starten, bei dem verschiedene Schulen mit Wassertanks ausgestattet werden. Hierbei soll nicht nur das eigentlich ausreichend zur Verfügung stehende Regenwasser gesammelt werden, sondern insbesondere den Kindern zur täglichen Hygiene dienen und damit Vorsorge gegen ansteckende Krankheiten leisten und so ihre Gesundheit besser schützen.