Eleanor Roosevelt mit der Erklärung der Menschenrechte

 

Heute ist es wieder soweit: zum 72. Mal jährt sich der Geburtstag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, welche 1948 verkündet wurde. Diese beinhaltete unter anderem das Recht auf Leben, Freiheit, Sicherheit, freie Meinungsäußerung, Bildung, Arbeit, Gesundheit und Wohlbefinden sowie ein Verbot von Sklaverei und Folter, aber auch Gedanken- und Glaubensfreiheit.

Wir greifen dieses Thema auf, da die Thematik auch nach 72 Jahren nichts an Relevanz verloren hat und ein starker Leitfaden für unser Handeln ist. Wir bei Jambo Bukoba (JB) setzen uns für verschiedene der genannten Menschenrechte in Tansania ein.

Wir möchten, dass Mädchen und Jungen gleichermaßen gute Bedingungen haben, um zur Schule gehen zu können. Der Bau von MHM (Menstrual Hygiene Management)-Räumen trägt dazu bei, dass Mädchen auch während ihrer Periode zur Schule gehen können, da ihnen dadurch die nötige Privatsphäre und die notwendigen Utensilien bereitgestellt werden.

Die Jugendlichen sollen zudem über HIV und AIDS aufgeklärt werden, um ihr Recht auf Gesundheit wahrnehmen zu können. Dies erreichen wir durch die Life Skills Games, die schon an so vielen Schulen in der Region Kagera gespielt werden. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass solch ein geschichtsträchtiges Dokument wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgesetzt wurde?

 

Krieg und Gewalt

Die damaligen Umstände waren gleichermaßen die Gründe für die Entstehung der Rechte. Wir erinnern uns: Nach jahrelangem Kriegszustand und unglaublichen Gräueltaten an der Menschheit, vor allem an den Juden, war die ganze Welt 1945 traumatisiert. Wie so oft in der Geschichte der Menschheit musste es erst zu einer absoluten Katastrophe kommen, bevor solch ein großer Schritt gewagt wurde. Man hat erkannt, dass nur eine Zusammenarbeit, basierend auf Respekt und Toleranz, wirklich Frieden schaffen kann.

 

Einsicht: die Erklärung wird angegangen

Getrieben von den grausamen Erfahrungen aus dem 2. Weltkrieg, wurde die Erklärung von einer Fachkommission der Vereinten Nationen erstellt. Bereits im Jahr 1946 traf sich diese sogenannte UN-Menschenrechtskommission, um einen internationalen Menschenrechtskodex zu entwickeln. Unter der Leitung von Eleanor Roosevelt, Witwe des ehemaligen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, war es am 10. Dezember 1948 soweit: man einigte sich auf eine allgemeine, jedoch unverbindliche Erklärung der Menschenrechte. Ein bindender völkerrechtlicher Vertrag wurde durch den aufbrodelnden Ost-West-Konflikt nicht verabschiedet.

Trotzdem ist dies ein bedeutendes Dokument, da es als Vorlage für andere wichtige völkerrechtliche Verträge gilt: z.B. den „Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ („Freiheitsrechte“, 1976) und den „Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte“ („Sozialrechte“, 1976). Ein Großteil der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben diese Verträge unterschrieben.

 

Warum immer wieder darauf aufmerksam machen?

 

Kinder spielen, Seilspringen zusammenGerade in Zeiten von steigendem Rassismus, Fake-News und Verschwörungstheorien ist es bedeutsam daran zu gedenken.

Eleanor Roosevelt bringt es auf den Punkt: “Wenn die betroffenen Bürger nicht selbst aktiv werden, um diese Rechte in ihrem persönlichen Umfeld zu schützen, werden wir vergeblich nach Fortschritten in der weiteren Welt suchen.“

Wir müssen bei uns selbst und in unserer näheren Umgebung damit anfangen ein Miteinander auf Augenhöhe, gekennzeichnet durch Respekt und Wertschätzung, aufzubauen.

Dies ist auch einer der Ziele von den Life Skills Games von JB. Tansania ist geprägt durch eine Kultur der männlichen Dominanz. JB arbeitet daran, diese gesellschaftlichen Strukturen spielerisch bei den Kindern aufzulösen. In den Spielen werden die Schüler*innen oft vor ein Problem gestellt und können dieses nur durch Kooperation und gemeinsames Handeln lösen. Auf diese Weise lernen sie, dass es im Leben besser ist, mit seinen Mitmenschen auf Augenhöhe zu kommunizieren und dass man schneller an das Ziel gelangt, wenn die Kooperation ruhig, respektvoll und aufgeschlossen stattfindet. Nur wenn jede*r mitmacht und jede*r dem*der jeweils anderen Wertschätzung entgegenbringt können die gestellten Aufgaben schnell gelöst werden.

Die Jungen lernen dadurch, dass es zielführender ist und sie erfolgreicher sind, wenn sie mit den Mädchen zusammenarbeiten und deren Beitrag als relevant anerkennen. Die Mädchen bekommen vermittelt, dass ihr Handeln zählt und einen Unterschied macht, wie erfolgreich eine Aufgabe gelöst wird. Das motiviert sie und macht sie gleichzeitig selbstbewusster.

Die Kinder und Jugendlichen lesen nicht darüber, sondern bekommen Zugang zu diesem Wissen durch praktische Erfahrung, die sie selbst machen. Wenn man selbst etwas mitgemacht hat, ist das Verständnis größer und das Wissen somit fester verankert und wird in anderen Situationen intuitiv angewandt. So lautet ein Zitat aus dem JB Teacher’s Guide: “I hear and I forget, I see and I remember, I do and I understand”.

Das erlernte Verhalten und der erlernte Umgang miteinander im Spiel wird teilweise unbewusst auf viele andere alltägliche Situationen im Leben, selbst wenn es mal stressig ist, übertragen.

Deswegen lasst uns immer wieder an diesen Tag gedenken und mehr Geduld, Rücksicht und Empathie auch in unseren Alltag einfließen und eine Welt mit mehr Frieden und Zusammenhalt schaffen – so wie es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sich vor 72 Jahren zum Ziel gesetzt hat.