Bukoba, Oktober 2011. Fünf Stunden dauert die Busfahrt von Bukoba nach Mwanza. Die stetig wachsende Stadt Mwanza am Ufer des Victoriasees ist eingebettet in Hügel und umgeben von vielen Felsbrocken. Sie ist die zweitgrößte Stadt Tansanias und das wirtschaftliche Zentrum des Seegebietes. Im Hafen von Mwanza werden große Teile der Baumwolle, des Tees und Kaffees aus dem Westen des Landes umgeschlagen. Trotz seiner Größe hat sich Mwanza etwas von seinem dörflichen Charme bewahrt. Während eines Stadtbummels fallen mir die unzähligen Moscheen und Hindutempel auf, die dem Stadtzentrum ein orientalisches Gesicht verleihen. Viele indische Handelshäusern sowie Läden säumen die Straßen.Ich übernachte im Treehouse, welches von der Organisation Streetwise Africa gegründet wurde. Das Treehouse liegt auf einer Terrasse. Bei meiner Ankunft im Treehouse hat mich der wunderschöne Blick von der Terrasse auf den See sofort begeistert. Es gibt nicht viele Zimmer, um genau zu sein nur vier. Ich genieße die friedliche und familiäre Atmosphäre. Wieni ist im Treehouse der gute Geist. Niemand macht wahrscheinlich in Mwanza ein besseres Frühstück mit selbstgebackenem Brot und Müsli, viel frischem Obst und Chai. Wer im Treehouse übernachtet, unterstützt im Übrigen direkt die Straßenkinder von Mwanza, die es zahlreich gibt und um die sich Streetwise Africa kümmert. In Mwanza befindet sich das „Butimba Teachers Training College“, eine regionale Institution in der Sportlehrerausbildung seit 1939. Etwa 1100 junge Tansanierinnen und Tansanier studieren hier, davon 62 „Physical Education“. 500 Studenten machen jedes Jahr ihren Abschluss in Butimba und erhalten das „Diploma in secondary education examination“. Damit können sie als Lehrer an „Secondary Schools“ arbeiten. Einige unterrichten später aber auch an „Primary Schools“ . Die gesamte Ausbildung dauert zwei Jahre und jeder Student muss zusätzlich zu den Pflichtfächern zwei weitere Fächer wählen. Um mit dem Studium der Physical Education zu beginnen, müssen die Studenten, wie an der Deutschen Sporthochschule auch, einen Eingangstest absolvieren, der aus einem theoretischen und praktischen Teil besteht. Der Leiter des Departments für „Physical Education“ erzählte mir, dass manchmal sogar der Cooper-Test durchgeführt wird, um die körperliche Fitness zu ermitteln. Ich erfahre auch, dass die Theorie- und Praxisanteile während des Studiums gleich gewichtet werden. So muss sich jeder Student ebenso mit der Anatomie des Körpers, der Biomechanik und der Sportphysiologie beschäftigen, wie auch sein praktisches Können in diversen Ballspielen, Rückschlagspielen und Leichtathletik unter Beweis stellen. Gymnastik und Schwimmen ist unter den gegebenen Umständen in Butimba nicht durchführbar. Später werde ich noch durch das College geführt. Was ich zu sehen bekomme, sind leider einige Playgrounds, die sich nicht von anderen tansanischen Schulen unterscheiden. Unweigerlich schießt mir eine Frage durch meinen Kopf: „Wie macht man hier Sportausbildung?“ Ich verabschiede mich , bedanke mich und fahre mit vielen hilfreichen Informationen und der Erkenntnissen nach Hause, dass unsere Arbeit im Projekt noch einen sehr langen Weg vor sich hat – trotz aller schönen Erfolge. Wenn ich wieder in Deutschland bin, dann wartet viel Arbeit auf mich, um das Gesehene in meiner Diplomarbeit umzusetzen.
Liebste Grüße in die Heimat
Euere Verena



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