Bildtext: Verena besucht die Primary School im Dorf Katoma
Bukoba, 14.9.2011. Heute Morgen habe ich mich auf den Weg gemacht nach Katoma, einem Dorf rund 9 km von Bukoba entfernt. Mein Ziel ist die Karwoshe Primary School. Ich will dort Juvenary Lwenza treffen. Er ist Sportlehrer und Teilnehmer des siebten Jambo Bukoba-Workshops im Dorf Maruku. Mich interessiert, wie in der Schule das umgesetzt wird, was vorher im Workshop gelernt und geübt wurde. Und wie es um den Sport grundsätzlich in der Schule steht.
Mit dem Dalla-Dalla (Kleinbus) fahre ich 20 Minuten durch kleine Dörfer zwischen Bananenplantagen und eine wunderschöne Hügellandschaft. In der Schule angekommen, werde ich von Juvenary herzlich begrüßt. Er führt mich ins Lehrerzimmer, um mich den anderen Lehrern vorzustellen. Da es heute morgen schon unglaublich heiß ist, beschließen wir die Sportstunde gleich zu beginnen.
Der Sportplatz ist im Vergleich zu manch anderen Schulen in Bukoba-Stadt relativ groß. Zur Sportstunde sind die 11- und 12-jährigen Jungen und Mädchen aus der Stufe Standard 5 und 6 gekommen. Juvenary startet die Sportstunde mit einem traditionellen Aufwärmen. Bald schon laufen, sprinten und hüpfen motivierte Jungen und Mädchen in FC Bayern München-Trikots über den Sportplatz, als ob ihnen die afrikanische Hitze überhaupt nichts ausmachen würde. Ich hingegen habe mich rasch in den Schatten unter einen Baum zurückgezogen, um von dort aus weiter zu beobachten.
Ich verstehe jetzt, warum Sportunterricht nur zu ganz bestimmten Zeiten stattfinden und deshalb nicht zu beliebigen Zeiten in den Stundenplan integriert werden kann. Es ist einfach zu heiß. Trotzdem halten die Jungs und Mädels auf dem Platz tapfer durch. Besonders gefällt mir, dass Juvenary sich einige Variationen zu den im Workshop durchgeführten Spielen überlegt hat. Das Spiel „Der Ball durch alle Hände“ funktioniert zum Beispiel genauso gut im Sitzen wie im Stehen.
Es gibt nur einen Ball und kein Budget für den Sport
Bei Tee und Chapati bespreche ich hinterher mit Juvenary, dem Schulleiter und einer anderen Sportlehrerin die Situation des Sportunterrichts an ihrer Schule. Die Probleme bei der Umsetzung scheinen jedoch überall ähnlich zu sein. Es gibt kein Budget, um zusätzliche Sportmaterialien anzuschaffen. So bleibt der von Jambo Bukoba übergebene Ball vorerst der einzige an der Schule. Der Schulleiter erzählt mir, dass er nicht viele Möglichkeiten und Mittel hat, den Schulsport an seiner Schule weiterzuentwickeln. Er kauft lediglich manchmal Süßigkeiten für die Schüler, um sie mit Energie zu versorgen.
Mir wird immer mehr bewusst, welch große Aufgaben Tansania noch vor sich hat, um seine Kinder für die Zukunft stark zu machen. Und ich erkenne, wie notwendig die Hilfe von Jambo Bukoba e.V. ist. Ich habe dafür den Dank bekommen und bin tief berührt: Rund 20 Minuten tanzten die Buben und Mädchen begeistert und leidenschaftlich ihre traditionellen Tänze im Rhythmus der afrikanischen Trommeln. Selbst die Lehrer haben Röcke und Kopfschmuck aus selbstgebastelten Bananenblättern angelegt.
Bildtext: Danke Jambo Bukoba für Euere Ballspende und die schönen Trikots
Ich glaube, in Afrika beginnen die Kinder zu tanzen, bevor sie auch nur in der Lage sind einen Schritt zu gehen. Beim Zusehen bekomme ich große, große Lust mitzutanzen, der Rhythmus, die Trommeln und die Freude, die ich aus den Gesichtern der Kinder lese, ist ansteckend.
Bis bald,
Eure Verena

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